(Quelle: selfmutilate)

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Manchmal ertrage ich es nicht, wenn Menschen glücklich sind

Manchmal ertrage ich es nicht, wenn Menschen glücklich sind. Zum Beispiel der Moment, wenn ein Kind lächelt, weil sein größter Wunsch in Erfüllung geht. Dieses strahlende Lächeln, endloses Glück, endlose Liebe. Es gibt keine Probleme, keine Sorgen. Es gibt keine weiteren Träume, keine  anderen Ziele. Es gibt nur diesen einen Moment. Mehr nicht.

Ich fange an zu weinen. Versteh mich nicht falsch, das Lächeln erfreut mich. Es ist wie Balsam für meine Seele und gleichzeitig wie ein lange Nadel, die sich ganz tief in mein Gedächtnis bohrt. Mein Kopf bebt. Eine Nadel, nein, vielmehr ein Uhrzeiger. Er reißt ein riesiges Loch in meinen Kopf, reißt Wunden auf, die ich längst schloss. Der Schmerz wird immer größer und plötzlich sehe ich mich. Ich sehe nicht dieses Kind, das lächelnd, den geschenkten Fußball betrachtet. Ich sehe mich. Wie ich lächle. Ich sehe mich, wie ich den Ball in der Hand herumjongliere und von tiefstem Herzen lache.  Und plötzlich weine ich, innerlich. Ich weine und keiner merkt es. Was habe ich falsch gemacht, welchen falschen Weg bin ich gegangen? Warum lacht dieses Kind?

Ich bin kalt, so kennt mich meine Familie, so kennen mich meine Freunde und meine Sterne. Ich bin passiv, negativ. Habe Angst, verbreite Angst. Ich bin ein Schatten meiner Selbst. Meine Angst wirkt auf viele wie Hass. Ich sei arrogant, egozentrisch und misanthropisch. Ich sehe in Menschen keine Hoffnung, bin dauernd enttäuscht von ihnen. Ich traue ihnen nicht, beleidige sie, umgehe sie. Ich lasse keine Diskussion zu. Ich nehme den Leuten die Hoffnung, den Spaß. Ich bin nur dazu da, Leuten ihre Träume zu nehmen, sie zu verpacken und anschließend runterzuschlucken. Ich bin ein riesiger Berg aus Lügen, eigenen Träumen und den Träumen anderer. Ausweglosigkeit ist die einzige Option. Das Leben ist ein Dilemma, ein Synonym dafür. Und ich bin die Puppe, die alles über sich ergehen lässt. Ich bin ein Niemand.

Doch sie glauben immernoch an mich. Sie glauben, in mir würde etwas stecken, dass ich nicht sehe. Sie reden von Talenten und Stärken, von Möglichkeiten, von Wegen. Sie meinen, ich könne Menschen so schnell motivieren, wie demotivieren. Sie meinen, ich tue Dinge mit Leidenschaft, mit Herz und mit Glauben. Ich sei ehrlich und direkt. Ich schaue Leute kalt an, emotionslos, aber sie erkennen in mir auch anderes. Sie erkennen Liebe, wo ich sie nicht sehe. Ich sei für einige wie ein Vorbild, auch wenn ich mich nicht wie eins sehe. Ich könne viel mehr, auch wenn ich das nicht glaube. Sie meinen, ich solle mich ändern. Ich solle endlich anfangen. Ich solle endlich anfangen zu leben, Vergangenheit und Gegenwart ruhen zu lassen. Sie meinen, ich könnte so viel Gutes schaffen, mir selber so viel helfen.

Plötzlich werde ich aus dem Gedankenstrom herausgerissen. Das Kind ist nicht mehr da, es ist weggerannt auf die Wiese. Es spielt Fußball. Und ich stehe ich hier. Und wenn ich darüber nachdenke, denke ich an meine Sterne. Danke, liebe Sterne. Danke, dass ihr da seid und jemanden wie mich duldet. Danke, dass ihr mir Mut macht, wo ich euch diese nehme. Danke, dass ihr mir Hoffnung gebt, wenn ich sie abschlage. Danke, dass ihr mich liebt, wenn ich euch alleine lasse, wenn ich mich lieber in einer Ecke verkrieche und wieder glaube, ich sei alleine. Danke für all eure Hilfe und all eure Liebe.

Danke für all das.

Und plötzlich lächle ich und laufe auf die Wiese.

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